Fachtag 2010
Abschied von der Spaßpädagogik
Unser diesjähriger Fachtag am 22. Oktober beschäftigte sich mit der Frage, wie Erziehung in unserer heutigen Zeit gelingen kann. Der volle Saal im Hartmann-Kommunikationszentrum zeigte das große Interesse von Eltern und Erziehern. Erziehungswissenschaftler und Autor Dr. Albert Wunsch wies in seinen beiden Vorträgen auf die hohe Verantwortung nicht nur der Eltern hin, auch Großeltern und Erzieher in Elternhaus, Kita und Schule seien diesem Sinne gefordert.
Dr. Albert Wunsch im vollen Saal im Hartmann-Kommunikationszentrum
Foto: jUliE:p / photocase.comFachvortrag "Abschied von der Spaßpädagogik"
„Lernen muss Spaß machen", so das Credo unserer Konsum- und Wohlstandsgesellschaft. Warum die Spaßpädagogik einem falschem Ansatz folgt, wie Erziehungsalternativen aussehen können und weshalb davon nicht zuletzt auch Eltern und Erzieher profitieren, erläuterte Albert Wunsch anschaulich im Rahmen seines Vortrags.
Foto: speednik / photocase.comVortrag "Die Verwöhnungsfalle"
In der Regel lieben Eltern ihre Kinder ja über alles und tun ihr Bestes, um ihnen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Doch im Bestreben, alles perfekt zu machen, tappen Mütter wie Väter in die Verwöhnungsfalle. Was bei einem Kleinkind ganz normal ist, kann einige Jahre später schon in Verwöhnen ausarten.
Beispiel: Wenn ein Vater seiner 4jährigen Tochter beispielsweise die Schuhe bindet, obwohl sie es selbst tun könnte, dann wird das Kind dadurch verwöhnt. Kinder müssen lernen, Schwierigkeiten zu meistern, das gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu. Indem sie sich anstrengen und schon von klein auf Probleme allein lösen dürfen, wächst ihr Selbstvertrauen und sie lernen ganz nebenbei, ihre Fähigkeiten richtig einzuschätzen.
Dass dies oft mehr Zeit und Nerven kostet, davon ist der Erziehungswissenschaftler und Autor überzeugt, doch es lohne sich. „Eltern sollten ihre Kinder ermutigen und sie bei der Lösung schwieriger Probleme unterstützen“, so Wunsch, nicht aber die Probleme selbst lösen. Wer Unannehmlichkeiten von Kindern fern hält, nimmt ihnen die Chance, Kraft und Konfliktfähigkeit zu erlernen, um später wichtige Herausforderungen zu meistern. So werden aus verwöhnten Kindern überforderte Schüler, die schon vor ganz einfachen Aufgaben kapitulieren.
Tip für Eltern: Für den ewigen Kampf um das chaotische Zimmer hatte er übrigens eine gute Anregung für genervte Eltern. „Ob du nun mit oder ohne Lust aufräumst, liebe Tochter, lieber Sohn, ist mir eigentlich egal. Sag mir einfach hinterher, wie es besser geklappt hat.“ So einfach wird es in den allermeisten Fällen zwar nicht sein, aber es lohnt sich allemal, über eingefahrene Erziehungs- und Verhaltensmuster nachzudenken.

Referent:
Dr. Albert Wunsch
Albert Wunsch ist Diplom Sozialpädagoge, Kunst- und Werklehrer, Diplom Pädagoge, Psychologe und promovierter Erziehungswissenschaftler und lehrt seit 2004 Konzepte der Eltern-Qualifizierung, Pädagogik der Kindheit, Methoden der Gesprächsführung, Konflikt-Management und Supervision an der Katholischen Hochschule NRW in Köln. Lesen Sie weiter...
Der Fachtag des Kinderschutzbundes wurde unterstützt von der PAUL HARTMANN AG.
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